Besuch in der Gedenk- und Dokumentationsstätte Drütte

Am 10.03.15 besuchte die Klasse 9a, im Rahmen des Geschichtsunterrichts, die Gedenk- und Dokumentationsstätte Drütte. Das ehemalige Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme bei Hamburg befindet sich unter der Hochstraße und auf dem Gelände der heutigen Salzgitter AG. Es diente zur Unterbringung von ungefähr 3000 Zwangsarbeitern und Häftlingen aus Holland, Frankreich, Polen Sowjetunion und anderen Ländern. Die meist politischen Gefangenen, unter ihnen Sinti, Roma, Juden, Homosexuelle und europäische Widerstandskämpfer, mussten in den Rüstungsbetrieben der Hermann Göring Werke Granaten und Bomben für den Krieg produzieren. Erst nach dem 40 jährigen Jubiläum der Stadt wagte man sich an das Leid dieser Menschen und ihr Leben im Lager bewusst und öffentlich zu erinnern. So entstand 1983 mit Hilfe von Bürgerinnen und Bürgern der Arbeitskreis Stadtgeschichte e. V.
Pädagogin Frau Röhl-Schiemann, Mitglied des Arbeitskreises, empfing Herrn Hachem und die Klasse 9a um 10 Uhr und stellte zunächst die Geschichte der Gedenkstätte vor und hatte ein paar einleitende Fragen an die Schülerinnen und Schüler. Das Wissen über die NS Zeit und die Konzentrationslager wurde abgefragt, ehe es mit der Führung weiter ging. Als erstes ging man in eine mit Requisiten, Sachtexten, Fotos und Dokumenten ausgestattete Räumlichkeit, die auf der Hochstraße des Werksgeländes gelegen ist. Frau Röhl-Schiemann bot der Klasse mehr Wissen zur Geschichte und aktivierte sie, indem sie beispielsweise Aussagen ehemaliger Häftlinge vorlesen ließ. Dabei sollten die Kinder ihre Eindrücke schildern und Vermutungen zu der einen oder anderen Gegebenheit des Lagers schildern. Zum Beispiel formt die Hochstraße absichtlich eine Kurve, damit man die Häftlinge stets im Blick hatte. Den morgendlichen Appel den man von oben gut hätte beobachten können, veranschaulichte die Pädagogin mit ein paar Exempeln lebhaft, damit die Kinder ein Stück weit erahnen sollten, wie grausam die Bedingungen und das Leben der Zwangsarbeiter gewesen sein muss.
Anschließend ging es runter in die Unterkünfte der Gedenkstätte, wo die Schüler die nachgestellten Wohnbedingungen der Häftlinge sehen konnten. Sogenannte „Kuben“ aus Stahl aus den Salzgitter Werken stellen die sehr kleine Fläche nach, in der die Menschen damals schlafen mussten. Hunderte Männer mussten gleichzeitig auf diesem extrem engen Raum verharren. Das bedeutete zudem unaufhörliche Unruhe und schlechte Luft. Die katastrophalen hygienischen Bedingungen und vor allem die nahezu mittelalterlichen Toiletten führten zu großem Gestank und einer schnellen Verbreitung von Krankheiten. Die Klasse stellte sich komplett in eine dieser Kuben. Es war beengend, äußerten einige der Kinder und trotzdem kann man sich natürlich nicht hundert prozentig vorstellen, wie schlimm das für die Menschen damals gewesen sein muss.
Damit es eine didaktisch noch wertvollere Führung wird, teilte Frau Röhl-Schiemann die Schüler in Gruppen und ließ sie zu mehreren Aspekten des Lagers Informationen (Kleidung, Bestrafungen, einzelne Schicksale etc.) erarbeiten. Dazu konnten sie die „Kuben“ besichtigen, in denen viel originales Material und dokumentiertes zu finden war. Aus diesen Quellen und weiteren Texten sammelten sie ihr Wissen und präsentierten es anschließend im Plenum ihren Klassenmitgliedern. Unsere Begleiterin hat es gut verstanden, die Kinder in Gespräche über das gerade erlernte zu verwickeln, wodurch die NS Zeit und speziell die Bedingungen in den Lagern, ein Stück weit begreifbarer wurden. Vor allem wurde das Thema emotional erlebt. Das Feedback der Schüler bestätigte dies und deshalb ist ein Ausflug zur Gedenkstätte Drütte sehr empfehlenswert.